Unterwasser Modelfotografie im Pool
Voraussetzungen:
Unterwasserfotografie findet in einem Element statt, das sowohl für den Fotografen als auch für das Model eine ungewohnte Umgebung darstellt. Im Gegensatz zur Modelfotografie an Land, beispielsweise in einem Studio, haben weder der Fotograf noch das Model festen Boden unter den Füssen. Damit sich der Fotograf trotzdem auf die Einstellungen der Kamera, die Ausrichtung des Blitzes oder den Bildaufbau konzentrieren kann, sollte er sich im Wasser einigermassen wohl fühlen. Elementare Schwimmkenntnisse sind deshalb Voraussetzung für ein Unterwasser-Shooting, das Spass macht und ansehnliche Ergebnisse liefert.
Ähnliches gilt für das Model: damit die Bilder ausdruckstark werden, sollte es in der Lage sein, mit geöffneten Augen zu tauchen und dabei zu lächeln. Allfällige Kleider, die das Model beim Shooting trägt, werden sich wahrscheinlich um dessen Beine wickeln, was sich im Vergleich zu einem Shooting an Land ebenfalls ungewohnt anfühlt. Man sollte für ein Unterwasser-Shooting deshalb eher eine Wasserratte auswählen als ein Model, das sich auch im Bikini nur durch gutes Zureden ins Wasser locken lässt.
Vorbereitung:
Pool: Die meisten Badewannen sind nicht gross genug für unbeschwerte Unterwasser-Modelfotografie. Meine jedenfalls reicht kaum aus, um Unterwassergehäuse und Blitzanlage darin zu verstauen. Müsste ich das Model und mich selbst dann auch noch in die Wanne zwängen wären blaue Flecken, die auf den Fotos ja nicht so gut rüberkommen, nahezu unvermeidlich. Deshalb sollte ein grösseres Gefäss gefunden werden. Natürlich wäre jetzt der eigene Privatpool von Vorteil, auf den aber auch nicht jeder Fotograf zurückgreifen kann.
Ein öffentliches Schwimmbad drängt sich deshalb nahezu auf. Tiefe Becken sind zwar ein Vorteil, um das Model optimal freizustellen, so dass der Boden nicht sichtbar ist, jedoch nicht zwingend erforderlich. Denn auch in flachen Kinderschwimmbecken können bereits interessante Unterwasseraufnahmen gelingen. Ich selber ziehe Schwimmbäder vor, die ein bisschen von allem haben: tiefe Sprungbecken für Aufnahmen im Freiwasser sowie mitteltiefe Schwimmbahnen und flache Nichtschwimmerbecken, die sich besonders für Fotos mit Reflexionen an der Wasseroberfläche anbieten.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Schwimmbäder Unterwasser-Fotoshootings gegenüber recht offen eingestellt sind – mit einem Vorbehalt: dass man dies nicht gerade während den Spitzenzeiten tut, bzw. vorzugsweise ausserhalb der offiziellen Öffnungszeiten. Dies vor allem, weil sich nicht alle Badegäste komfortabel fühlen, wenn sie in knapper Schwimmontur an der Oberfläche dümpeln, wenn sich unter der Wasseroberfläche ein Fotograf befindet, von dem sie nicht genau wissen, was er jetzt gerade fotografiert. Zudem ist es ja auch nicht gerade im Interesse des Fotografen, wenn ständig irgendwelche fremden Füsse ins Bild geraten und den Bildaufbau kaputt machen.
Bademeister verbringen nach Schliessung des Schwimmbades oftmals einige Stunden mit dem Reinigen der Anlage. Während dieser Zeit kann man – nach Absprache – ungestört ein bis zwei Stunden im Wasser fotografieren. Auf alle Fälle empfehle ich, vorgängig telefonisch anzufragen, ob und wann Unterwasserfotografie im Schwimmbad möglich ist. Eine Liste von Schwimmbädern in der Schweiz mit Kontaktinformationen findet sich hier: http://www.badi-info.ch/
Fotograf: Um die Zeit im Schwimmbad effizient nutzen zu können empfiehlt es sich, dass der Fotograf die Kamera inklusive des gewählten Objektivs bereits im Unterwassergehäuse eingebaut hat, wenn er das Schwimmbad betritt. Blitze sollten hingegen erst kurz vor dem Wassern an der Kamera montiert werden, da das gesamte System für den Transport zu sperrig wäre.
Model: Am wirkungsvollsten sind Kleider, die möglichst lang und weit sind, damit sie unter Wasser auch so richtig wallen und flattern. Leichten, dünnen Kleidern ist aus den folgenden Gründen der Vorzug zu geben: einerseits werden dicke Stoffe unter Wasser schwer und können das Model herunterziehen. Andererseits geht der Flattereffekt verloren, wenn die Kleider aufgrund ihres Gewichts nach unten ziehen.
Weitere Accessoires wie Tücher, Stoffblumen, etc. bereichern das Bild.
Das Model sollte für die Unterwasserfotografie besonders stark geschminkt sein, damit die Unterwasserbilder auch ausdruckskräftig werden. Ich kenne mich mit Schminke nicht wirklich aus; aber ich kann an dieser Stelle weitergeben, dass wasserfeste Schminke erstaunlicherweise nicht zwingend erforderlich ist. Wasserfeste Wimperntusche sei aber ein Vorteil und auch nicht besonders teuer. Oder so. Wir haben uns auch sagen lassen, dass ins Gesicht gesprühter Haarspray die Schminke unter Wasser konserviert. Lasst es sein, es gibt nur Stress und Ärger, wenn das Zeugs dem Model in die Augen läuft. Und notwendig scheint es auch nicht zu sein.
Kameraeinstellungen
Nun kommen wir zum interessanten Teil, dem eigentlichen Shooting:
Die Verkleidung des Beckens hat einen Einfluss auf den Hintergrund der Bilder: die Becken von Freibädern sind häufig aus Beton oder Stahl, während die Becken von Hallenbädern meistens mit Keramikplatten verkleidet sind.
Die nahezu strukturlosen Beton- oder Stahlbecken ermöglichen ohne grossen Aufwand einen ruhigen, harmonischen Hintergrund. Bei sonnigem Wetter kann sogar auf den Einsatz eines Blitzes verzichtet werden, und die Lichtbrechungen der Sonne an der Wasseroberfläche erzeugen fotogene Reflexionen im Wasser, an den Beckenrändern und auf dem Model selber.
In Hallenbädern kann die Plattenverkleidung des Beckens für unerwünschte Strukturen sorgen, welche vom eigentlichen Sujet ablenken. Diese kann man auf dem Bild jedoch verschwinden lassen, indem die Blende des Objektivs geschlossen wird. In diesem Fall ist jedoch die Verwendung eines leistungsstarken Blitzgerätes unerlässlich, um das Model trotzdem hell und in voller Farbe erscheinen zu lassen.
Meines Wissens gibt es keine externen Blitzgeräte, die für den Unterwassereinsatz taugen. Aus Sicherheitsgründen würde ich auch darauf verzichten, komplizierte Blitzanlagen am Beckenrand zu installieren. Gerät einer aus dem Gleichgewicht und kippt dabei ins Wasser, ist das Shooting schnell vorbei: bewusstlos an der Wasseroberfläche treibende Models sind nicht wirklich fotogen, der Fotograf wäre diesfalls wahrscheinlich ebenfalls ausser Gefecht, und das Ganze kann kostenintensive haftpflichtrechtliche Folgen haben, welche die Miete eines vernünftigen Unterwasserblitzes um das x-fache übersteigen. Statt dessen sollte auf leistungsstarke Unterwasserblitze gesetzt werden. Diese können je nach Situation mittels Blitzarmen am Unterwassergehäuse der Kamera oder direkt darauf fixiert werden, oder – wenn die Länge des eTTL-Kabels ausreicht - auch mit Hilfe eines Assistenten von der Wasseroberfläche aus eingesetzt werden.
Ein Doppelblitzgerät ermöglicht eine kreative Lichtwirkung. Beispielsweise können beide Blitze seitlich der Kamera befestigt werden, um eine plastische Belichtung zu erzeugen. Oder der Hauptblitz kann seitlich angebracht werden, während der zweite Blitz auf der Kamera selbst gegen die Wasseroberfläche zündet, um Reflexionen daran zu erzeugen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind einerseits aufgrund der Möglichkeiten eines hochwertigen Unterwasserfotosystems und andererseits aufgrund der Lichtbrechung im Wasser nahezu unbegrenzt. Um den Effekt der geschlossenen Blende durch den Einsatz des Blitzes nicht wieder aufzuheben sollte der Blitz nicht im TTL-Modus sondern manuell bedient werden.
Da die geschlossene Blende den gesamten Bildausschnitt abdunkelt empfiehlt sich eine möglichst starke Einstellung des Blitzes. Das Model wird nur dann ausreichend belichtet, wenn der Blitz (bzw. wenigstens einer) unmittelbar darauf gerichtet ist. Hochwertige Blitzgeräte verfügen über ein sogenanntes Pilotlicht. Dabei handelt es sich um eine Lampe, die automatisch abgeblendet wird, wenn der Blitz auslöst, um unerwünschte Überbelichtung zu vermeiden. Das Pilotlicht des Blitzes dient dazu, die korrekte Ausrichtung des Blitzes auf das Model zu überprüfen: wenn das Model durch das Pilotlicht angestrahlt wird, wird es auch voll vom Blitz erfasst.
Bei Pool-Aufnahmen empfiehlt es sich, dass sich der Fotograf mit dem Rücken zur Beckenwand und sich das Model im Freiwasser befindet. Dadurch wird verhindert, dass der Blitz die Beckenwand aufhellt.
Unterwasser Modelfotografie ist dann am wirkungsvollsten, wenn das Model schwerelos im Wasser treibt und die Kleider frei flattern. Dieser Effekt wird erzeugt, indem das Model an der Wasseroberfläche ausatmet und sich regungslos sinken lässt. Der Fotograf sollte sich dabei stets tiefer als das Model befinden, um von unten gegen die Wasseroberfläche zu fotografieren

